Donnerstag , 27 Juli 2017
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Boxee TV: Videorekorder für die Cloud

Boxee TV: Videorekorder für die Cloud

Das Bild des Videorekorders hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert: Von unhandlichen Klötzen mit noch unhandlicheren und dazu noch recht fragilen Bandkassetten entwickelte sich der Videorekorder erst zum schlanken DVD-Rekorder und dann zum Festplattenrekorder. Boxee TV soll noch einen Schritt weitergehen.

Für eine monatliche Gebühr von 15 US-Dollar verspricht das Unternehmen Boxee eine unbegrenzte Speicherkapazität für den hauseigenen Videorekorder Boxee TV. Dabei geht es Boxee nicht um eine Festplatten- oder Rohling-Flatrate sondern um Speicher in der Cloud. Boxee TV speichert aufgezeichnete Filme nicht mehr auf einem internen Speicher sondern direkt im Internet – in entsprechend dimensionierten Rechenzentren, umgeben von der ominösen aber vielzitierten Cloud.

Die Grundidee klingt hervorragend – nie wieder geht während der Aufnahme der Speicher aus (oder endet das Band), Filme können nach dem Speichern auch auf dem Tablet oder dem Notebooks betrachtet werden und alles was mit der Cloud zu tun hat ist ja generell schon einmal toll.

Zumindest wäre es das, wenn wir nicht in einem Land leben würden, in dem es vor einigen Jahren noch auf Nachfrage wie es denn um den Ausbau des Datenhighways bestellt ist, „Straßenbau ist Ländersache“ hieß. Zugegeben, diese Aussage von Ex-Kanzler Helmut Kohl ist schon etwas älter, wirklich weiterentwickelt hat sich die Meinung der Parteien zu diesem Thema aber nicht. Breitband bedeutet für die Verantwortlichen „alles mit mehr als 1 Megabit pro Sekunde, egal wie“. Für Konzepte wie Boxee TV ist das der Todesstoß.

Denn Boxee TV erfordert mindestens 3 Megabit pro Sekunde im Downstream – noch durchaus machbar für viele Haushalte. Kniffliger wird das geforderte Megabit pro Sekunde im Upstream. Das ist der Datenkanal, der für das Hochladen der gespeicherten Filme auf die Cloudserver zuständig ist. Fehlt es hier an unterbrechungsfreier Bandbreite, misslingen die Aufnahmen.

Der Pferdefuß: Selbst bei einem 16000er DSL ist der Upstream beispielsweise bei Vodafone gerade einmal 800 Kilobit pro Sekunde schmal – nicht ausreichend selbst für SD-Aufnahmen von Boxee TV. Surft dann noch jemand über die gleiche Internetleitung im Internet oder spielt gar ein Onlinespiel, sind Aufnahmen selbst mit flotteren Leitungen ein Glücksspiel. Von HD-Aufnahmen mögen wir dabei noch gar nicht reden, diese erfordern eine deutlich höhere Bandbreite als die meisten Deutschen von ihrem Internetanbieter bekommen können. LTE als schnelle Ausweichlösung fällig übrigens aufgrund der recht begrenzten Inklusiv-Volumen und der sehr schwankenden Geschwindigkeit ebenfalls aus dem Rennen.

Timeshifting bietet Boxee TV prinzipbedingt ebenfalls nicht. Immerhin verbaut der Hersteller zwei Tuner, so dass während der Aufnahme einer Sendung ein anderer Sender betrachtet werden kann.  Von verschlüsselten Sendern nimmt Boxee TV allerdings generell nicht auf. Medienplayerfunktionen wie andere Boxee-Lösungen bietet Boxee TV nicht – wer bereits einen Boxee-Medienplayer besitzt, dürfte sich allerdings für die Information interessieren, dass Boxee sich aktuell voll auf die Markteinführung von Boxee TV konzentriert und daher erst einmal keine weiteren Funktionen in der Software der älteren Boxen plant.

Angesichts all dieser oben genannten Nachteile des neuen Rekorders verwundert es nicht, dass Boxee sein Boxee TV vorerst nur in den USA ausliefert. Dort kostet die Box 99 US-Dollar, das Aufzeichnen von Sendungen in die Cloud wird zudem vorerst nur in einigen US-Städten verfügbar sein – namentlich New York City, Los Angeles, Chicago, Dallas, Houston, Atlanta, Philadelphia und Washington D.C. – Boxee will so eine Überlastung der eigenen Cloud-Server vermeiden und erst nach und nach weitere Städte hinzufügen. Ein Import von Boxee TV aus den USA wäre daher eine eher sinnfreie Entscheidung.

Über Dennis Ziesecke

Dennis Ziesecke ist tätig als freier Autor für GamersGlobal, Webedia (Gamestar Print, Gamestar Online), Computerbase.de und viele andere bekannte Hardware-Magazine. Gründer und Redakteur von VictoryPoint, der etwas anderen Seite des Internet. Vater von einem wundervollen Sohn und einer nicht minder wundervollen Tochter.

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