Samstag , 24 Juni 2017
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Telekom plant Abschaffung der Flatrate-Tarife: Schlecht für Heimkinofans

Telekom plant Abschaffung der Flatrate-Tarife: Schlecht für Heimkinofans

Wer sich seine Filme und seine Musik ausschließlich auf DVD oder CD kauft und ansonsten komplett unvernetzt vor sich hin lebt braucht an dieser Stelle nicht weiterlesen. Die Tatsache, dass sie lieber Leser aber im Internet bei einem Heimkinoblog lesen deutet durchaus auf eine gewisse Internetaffinität hin, weshalb sie vielleicht doch der richtige Ansprechpartner sind.

Wie vor kurzem bekannt gegeben wurde, plant die Telekom eine Abschaffung der aktuellen Flatratetarife bei Internetverträgen – hin zu Volumentarifen wie sie im Mobilfunk und beim DSL-Ersatz LTE schon länger üblich sind. Neuverträge die nach dem 02. Mai 2013 abgeschlossen werden, sollen daher bereits eine Klausel enthalten, nach der die Telekom die Geschwindigkeit je nach Vertrag nach einem gewissen Downloadvolumen massiv begrenzen kann. Die Staffelungen sehen dabei wie folgt aus:

DSL 16.000 — 75 Gigabyte pro Monat

VDSL 50.000 — 200 Gigabyte pro Monat

VDSL 100.000 — 300 Gigabyte pro Monat

VDSL bis zu 200.000 — 400 Gigabyte pro Monat

weiteres Volumen soll bei Bedarf kostenpflichtig hinzugebucht werden können. Ist das Volumen überschritten, wird der Anschluss unabhängig von der vorherigen Leistung auf 384 Kilobit/sek. heruntergestuft – das entspricht etwa 40 Kilobyte pro Sekunde bei nur 6 Kilobyte pro Sekunde Upstream – zu wenig selbst um auf normalen Webseiten zu surfen. Interessant an der Thematik – und nicht nur weil es den Heimkinobereich tangiert – ist eher, dass die Telekom die eigenen Entertain-IPTV-Angebote aus dem Angebot ausklammert. Bedeutet: Wer sich Filme bei Maxdome, iTunes oder Lovefilm, Whatchever oder Youtube streamt schaut nach kurzer Zeit in die Röhre während Entertain-Kunden weiterhin IPTV nutzen können. Dass es sich dabei um eine recht eindeutige Verletzung der Netzneutralität (nach der kein Internetanbieter Dienste im eigenen Netz benachteiligen darf nur weil er selbst einen Konkurrenzdienst anbietet) handelt dürfte auf der Hand liegen. Sicher, IPTV ist etwas anderes als reine Internetdienste und Entertain wird separat abgerechnet. Nichtsdestotrotz wird eine Drossel, wie sie die Telekom plant, dafür sorgen, dass kaum noch ein Nutzer seine HD-Filme bei Maxdome streamt während Entertain großen Zuwachs erlangen wird.

Nutzer mit Volumenbeschränkung nutzen das Internet nachweislich nicht mehr im vollen Umfang, die Schere ist beim Surfen immer im Kopf. Videos werden besser nicht mehr angeschaut, Spiele nicht  heruntergeladen. Selbst wichtige Sicherheitsupdates werden verschoben – auf das Monatsende, falls noch Volumen übrig sein sollte. Mit einem Volumentarif wird jede Werbeeinblendung plötzlich gefährlich, Werbeblocker werden daher noch stärker als jetzt schon florieren. Das allerdings sorgt in der Folge dafür, dass nicht nur Streamingdienste ihr Engagement in Deutschland einstellen werden, sondern auch, dass kleine werbefinanzierte Webseiten es noch schwerer haben zu bestehen als jetzt schon.

Die Hoffnung auf noch mehr Geld bei der Telekom könnte das Internet in Deutschland tatsächlich fast unbenutzbar machen. Der Einwand „dann sollte man halt zu einem anderen Anbieter wechseln“ gilt auch nur eingeschränkt: Es ist recht offensichtlich, dass auch die Mitbewerber der Telekom über kurz oder lang auf Volumentarife umstellen werden wenn der Marktführer erst einmal damit begonnen hat.

Doch was interessiert es den Heimkinofans? Mehr als man denken mag. Das Internet erhält an immer mehr Stellen im Heimkino Einzug. So gut wie alle neuen AV-Receiver und Medienplayer beherrschen mittlerweile Webradio-Funktionen – Webradio kostet zwar nur wenig aber auf den Monat gesehen doch einiges an Volumen, fällt also raus. Streamingdienste für Musik wie Spotify oder Napster: Dito. Videostreaming verbietet sich aufgrund der hohen Volumenkosten eh komplett. Zumal in einigen Jahren nicht mehr nur in SD und 720p-HD zunehmend auch in 1080p oder gar 4K gestreamt werden dürfte. Ein 4K-Video mit durchschnittlicher Kompression und 90 Minuten Länge frisst allerdings schon einmal das gesamte Inklusivvolumen eines 50.000er-VDSL-Anschlusses. Ohne dass auch nur eine weitere Webseite angesurft wurde.

Blu-ray-Player nutzen das Internet zudem gerne für Firmwareupdates und für interaktive Dienste. Tatsächlich ziehen einige Film-Scheiben nach dem Einlegen noch einmal mehrere hundert Megabyte an zusätzlichem Material aus dem Netz – schlecht wenn diese Daten nicht in der monatlichen Kalkulation vorgesehen sind. Onlinedienste zum Anzeigen der Inhalte einer CD, modern natürlich inklusive Coverbild, benötigen ebenfalls Bandbreite.

Dazu kommt: Moderne Fernseher setzen immer mehr auf Vernetzung. Medienplayerfunktionen, Streamingapps, integrierte Webcams mit HD-Qualität – wird in Zukunft also mitbezahlt, kann dann aber nicht genutzt werden da das monatliche Volumen nicht mitspielt. Videorekorderfunktionen mit Cloudanbindung sind sehr praktisch um von überall Zugriff auf die eigenen Aufnahmen zu haben, dürften sich in Deutschland allerdings bald keiner großer Beliebtheit mehr erfreuen, da das dafür benötigte Datenvolumen schon nach wenigen Filmen in die Gigabytes geht. Schöne neue Onlinewelt: Auf der IFA 2013 in Berlin werden viele neue Fernseher und Player mit spannenden Onlinefunktionen gezeigt werden. Nutzung: Nicht in Deutschland bitte, hier herrscht Internet-Steinzeit.

Clouddienste bietet auch die Telekom an. Wie lange es wohl dauern wird, bis auch die Nutzung dieser Dienste nicht ins Datenvolumen zählen weil es sich dabei ja um einen „Mehrwertdienst mit eigener Abrechnung“ handelt?

Über Dennis Ziesecke

Dennis Ziesecke ist tätig als freier Autor für GamersGlobal, Webedia (Gamestar Print, Gamestar Online), Computerbase.de und viele andere bekannte Hardware-Magazine. Gründer und Redakteur von VictoryPoint, der etwas anderen Seite des Internet. Vater von einem wundervollen Sohn und einer nicht minder wundervollen Tochter.

2 Kommentare

  1. Die Planungen werden ja nun auch konsequent umgesetzt und der Aufschrei für die Drosselung ist ja schon extrem hoch, meiner Meinung nach aucha gerechtfertigt. Ich bin nur gespannt, wann die weiteren Anbieter folgen werden, denn ich glaube nicht, dass diese sich davon fernhalten werden.

  2. Dennis Ziesecke

    Wenn die Telekom nicht (politisch) an den Drosseln gehindert wird, werden alle großen Anbieter nachziehen. Kleinere Stadtnetzbetreiber dürften sich mit offenen Netzen profilieren, wer aber nicht das Glück eines solchen Anbieters in der Umgebung hat dürfte in Zukunft vom Internet mehr oder weniger abgehängt sein. Ist ja jetzt schon mit LTE zu beobachten: Wer nur 30 GB im Monat zur Verfügung hat, nutzt das Internet nicht mehr zwanglos und alltäglich sondern knausert. Gerade für Heimkinofreunde ist das bedauerlich – kein Streaming mehr, keine smarten TV-Funktionen. Und sogar Firmwareupdates werden trotz aller Vorteile verschoben wenns knapp wird mit dem Volumen. Daher: Internetdrosselungen sind schädlich für die Netzsicherheit und dienen neben den Telekommunikationsunternehmen leider auch stark den Entwicklern von Schadprogrammen.

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