Freitag , 9 Dezember 2016
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Microsoft präsentiert Xbox One: Kommandozentrale fürs Heimkino

Microsoft präsentiert Xbox One: Kommandozentrale fürs Heimkino

Nachdem vor einigen Wochen Sony mit der Präsentation der Playstation 4 in Sachen Next-Gen-Konsolen vorangeprescht ist, folgt nun mit etwas Verspätung Microsoft. Deren neue Konsole wird Xbox One heißen und soll noch in diesem Jahr erscheinen. Und: Microsoft führt einen Trend fort, der bereits mit der Xbox 360 begann. Die Konsole soll nicht nur Spiele abspielen sondern der Mittelpunkt der heimischen Wohnzimmerelektronik sein. Mit der One könnte Microsoft dieses Unterfangen gelingen – vorausgesetzt, die Technik funktioniert im Wohnzimmer genauso gut wie auf der gut einstudierten Präsentation.

Ja, nebenbei können die neuen Konsolen auch Spiele abspielen. Games sind aber ganz offenbar nicht mehr der Lebenszweck der Konsolen, immer stärker drängen sie auch als Mediencenter ins Wohnzimmer. Nachdem die noch aktuelle Konsolengeneration eher widerwillig zum Abspielen einiger Videoformate gezwungen werden musste, sollen die kommenden Konsolen von Beginn an für die Heimkino-Unterhaltung konzipiert worden sein. Besonders stark sieht man das der Xbox One an: Sie kommt im edlen schwarzen Gewand daher und wirkt  wie ein HiFi-Receiver oder ein klobiger Blu-ray-Player.

Tatsächlich verbaut Microsoft erstmals einen Blu-ray-Player, so dass die Xbox One auch zum Abspielen von Film-BDs geeignet ist. Der Vorgänger setzte einst noch auf ein optionales HD-DVD-Laufwerk, welches aber schnell wieder vom Markt verschwand. Das Hauptaugenmerk in der Präsentation der Xbox One lag dann offensichtlich auch nicht auf den technischen Fähigkeiten sondern auf dem neuen Bedienkonzept. Die Bedienung schließt das nun serienmäßig beiliegende und überarbeitete Kinect, eine Bewegungssteuerung auf Kamerabasis, fest mit ein. So soll sich die neue Xbox sowohl via Gesten als auch per Sprachbefehl steuern lassen.

Befehle wie „Xbox One, Watch TV“ oder „XBox One, Play Music“ veranlassen die Konsole zum Wechsel des aktuellen Betriebsmodus. Per Sprachbefehl lässt sich auch ein geteilter Bildschirm einrichten, so dass neben dem Film noch ein Skype-Telefonat geführt werden kann. Auf der Microsoft-Präsentation funktionierte die Sprachsteuerung trotz des lauten Publikums erstaunlich gut – es wird sich zeigen müssen, wie gut sie dann daheim in den Wohnzimmern arbeitet. Ein wenig erinnerte die Bedienung der Xbox One mit all den Gesten und der natürlich wirkenden Sprache wie der Umgang mit dem Bordcomputer des Raumschiffs Enterprise – nicht ganz unbeabsichtigt von Microsoft wie zu Vermuten ist.

Mit dem Befehlt „XBox On“ weckt der Nutzer seine Konsole aus dem Schlafmodus. So richtig ausschalten mag man die Konsole bei Microsoft offenbar nicht. Eine Folge der niedrigen Energiepreise in den USA? Hierzulande jedenfalls wird der Ruf nach einem Powerschalter – was die netten Aufweck-Sprachkommandos arbeitslos macht – schnell laut werden. Microsoft wird auch noch einiges an Lokalisierungsarbeit in die Konsole stecken müssen. In den USA arbeitet das Unternehmen mit dem TV-Sender ESPN zusammen um Hintergrund- und Zusatzinformationen zum aktuell gezeigten TV-Programm einblenden zu können. Einige US-Sportveranstaltungen sollen sogar augmentativ überarbeitet werden können, so dass sich auf Gesten- und Sprachbefehl Informationen zum Lieblingssportler direkt neben sein Portrait einblenden lassen. Die XBox-Programmzeitschrift „Xbox Guide“ tut ihr übrigens um das US-Publikum mit TV-Informationen zu versorgen. Ob und wie diese Funktionen sich nach Deutschland übertragen lassen ist indes noch unklar.

Es ist eindeutig: Die Xbox One soll mit allerlei Medien gefüttert werden können – Filme und Musik lassen sich per Cloud und NAS wiedergeben oder auf der internen 500-GB-Festplatte speichern – und als Medienzentrale im Wohnzimmer alle anderen Heimkino-Anschaffungen steuern. Nebenbei lassen sich mit der neuen Xbox aber sogar Spiele abspielen. Grafisch machen diese offenbar schon einen sichtbaren Sprung zur Vorgängerkonsole, technisch wirkt Sonys Playstation 4 aber etwas durchdachter.

Dabei setzen beide Hersteller auf recht ähnliche Komponenten: Microsoft verbaut einen Achtkern-Prozessor von AMD, wahrscheinlich ein „Jaguar“-Design mit kleinen Kernen. Die Grafik ist integriert, verfügt aber über einen rasanten 32-GB-Zwischenspeicher. Der acht Gigabyte große Arbeitsspeicher der Konsole wird jedoch sehr konservativ mit DDR3-Speichermodulen versehen. Sony nutzt hier bereits die deutlich schnelleren GDDR5-Speicherchips und erhöht so nicht nur die Grafikbandbreite sondern auch die der CPU. Ob sich Microsofts eher kleiner 32-GB-Cache technisch behaupten kann ist fraglich, in Zukunft könnten daher die Sony-Spiele grafisch die Nase vorn haben.

Praktisch: Microsoft verbaut nicht nur den obligatorischen LAN-Port (Gigabit-LAN) sondern auch WLAN mit maximal 300 Megabit pro Sekunde. Als Schmankerln unterstützt die Konsole WiFi-Direct, was die kabellose Übertragung von Bildern und Videos vom Tablet, Smartphone oder Notebook ermöglicht. Android beherrscht diese Funktion bereits ab Version 4.2, zahlreiche Notebooks mit Intel-WLAN-Modul sind ebenfalls kompatibel.

Das Betriebssystem der Xbox One erinnert an Windows 8 – kein Wunder, möchte Microsoft doch eine einheitliche Oberfläche für alle hauseigenen Endgeräte etablieren. Auch der Betriebssystem-Kernel basiert auf Windows, was die Umsetzung von PC-Spielen zur Xbox und anders herum deutlich vereinfachen wird. Für weitere Funktionen, wie eben das nahtlose Umschalten per Sprachbefehl nutzt Microsoft jedoch einzelne „Unter-Betriebssysteme“,  auch um die Leistung zu erhöhen.

Wer nun hofft, seine alten Xbox-360-Spiele auch mit der neuen Xbox spielen zu können wird enttäuscht. Abwärtskompatibel sind die Geräte nicht, können sie auch gar nicht. Microsoft nutzte bei der 360 eine PowerPC-CPU während in der One ein AMD-x86-Prozessor zum Einsatz kommt – unterschiedlicher können CPUs kaum sein. Anders als Sony hat Microsoft aber keinen Streamingdienst für die Abwärtskompatibilität in der Hinterhand. Andererseits, in einem Land der DSL-Drosselverträge dürfte sich Streaming deutlich langsamer etablieren als in moderner eingestellten Ländern.

Weitere Details zur Konsole wird Microsoft im Rahmen der Spielemesse E3 bekannt geben. Auch Sony wird hier wohl noch einige Infos zur Playstation 4 verraten. Für Heimkino-Fans könnte die Xbox One tatsächlich spannender als die Sony-Konsole werden: Alle wichtigen Multimediafunktionen beherrschen beide Konsolen, bis hin zum BD-Player. Die Kommandozentralen-Funktionen wie Sprach- und Gestensteuerung sowie die Unterstützung von WiFi Direct sprechen jedoch für die Microsoft-Konsole. Schade nur, dass Microsoft sich nicht durchringen konnte, auch einen Preis für die Konsole bekannt zu geben.

Über Dennis Ziesecke

Dennis Ziesecke ist tätig als freier Autor für GamersGlobal, Webedia (Gamestar Print, Gamestar Online), Computerbase.de und viele andere bekannte Hardware-Magazine. Gründer und Redakteur von VictoryPoint, der etwas anderen Seite des Internet. Vater von einem wundervollen Sohn und einer nicht minder wundervollen Tochter.

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