Donnerstag , 27 Juli 2017
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Meinung: Dumm statt Smart – BD-Player ohne Bedienspaß

Meinung: Dumm statt Smart – BD-Player ohne Bedienspaß

Smart soll sie sein, die Unterhaltungselektronik von heute, morgen, übermorgen. Fernseher, Blu-ray-Player, Medienplayer, sie alle bekommen von ihren Herstellern daher Prozessoren, Speicher und App-Funktionalitäten verpasst – auf dass der Käufer sich über die multimedialen Möglichkeiten seines neuen Kaufes freut.

Dummerweise hält sich die Freude beim undankbaren Kunden immer öfter stark in Grenzen. Der Grund: Die so eindrucksvoll in der Werbebroschüre und auf der Verpackung beschriebenen smarten Sonderfunktionen erweisen sich nicht selten als kaum bedienbare Bedienungskrüppel ohne praktischen Nutzen. Apps installieren – tolle Idee, wenn denn die Oberfläche zur Bedienung nicht so unendlich langsam wäre. Generell, die Appqualität – ein dunkles Thema in der Geschichte der Unterhaltungselektronik. Simple per Java hingerotzte Einfachst-Programme, nur schwer zu bedienen und ohne grafischen Anspruch sind nun wahrlich kein Kaufgrund für einen neuen Fernseher oder Blu-ray-Player.

Beispiel LG: Aktuelle BD-Systeme der BH7x20-Reihe versprechen Apps über LGs hauseigenen Appstore. Dafür ist allerdings eine Registrierung bei LG vonnöten. Diese lässt sich am PC recht bequem vornehmen, hier ist dann die eMail-Adresse als Einlog-ID nutzbar. Auf Wunsch können Kreditkarteninformationen für die Nutzung von kostenpflichtigen Apps hinterlegt werden, was bei der Einrichtung eines Accounts am Fernseher nicht möglich ist. Zurück am TV muss nun die LG-ID und das zuvor gewählte Passwort umständlich per Bildschirmtastatur eingefummelt werden. Nun zeigt sich, dass die eMail-Adresse als ID-Wahl eher unglücklich war: Das Einlogg-Feld ist selbst für kurze Adressen zu klein.

Generell, Bildschirmtastaturen. Muss das sein, LG? Sicherlich, wer nur die mitgelieferte Fernbedienung des Herstellers nutzt ist darauf angewiesen. Aber wofür gibt es die Möglichkeit, den neueeinen BD-Player im richtigen Jahr gekauft hat.

Die App für die Blu-ray-Player des Jahres 2012 jedenfalls ist mehr als spartanisch ausgefallen. Lautstärke, Mute, Links-rechts-oben-unten-ok, Home, Zurück und ein paar wenige weitere Knöpfe finden sich hier – praktischer als die Gummiknubbel der mitgelieferten Fernbedienung mag das sein, wirklich tolle Features bietet die App jedoch nicht. Womit wir wieder bei der Bildschirmtastatur wären: Warum, liebe Entwickler bei LG, bietet die App keine Bildschirmtastatur? Was wäre naheliegender als eine Tastatur auf dem Bildschirm des Smartphones oder Tablets? Zumal die Player ja auf die Musik- und Filmsammlung im heimischen Netzwerk zugreifen können und sich Suchbefehle mit einer solchen Tastatur deutlich angenehmer eintippen ließen.

Auch die weiteren Multimedia-Funktionen des Players sind eher verstörend als erquickend. Zwar funktioniert der Zugriff auf im Netzwerk freigegebene Ordner und Festplatten sehr gut, wurde aber einmal eine solche Platte gewählt, ist es ein recht kniffliger Weg quer durch die Verzeichnisstrukturen wenn statt Musik nun ein Film genossen werden soll. Immerhin: 1080p-Videos im MKV-Container lassen sich problemlos und ruckelfrei abspielen – einige Samsung-Player bereiten hier beispielsweise arge Probleme. Mit OGG- oder FLAC-Musikdateien hingegen scheint LG auf Kriegsfuß zu stehen. FLAC wird kurioserweise schon unterstützt – aber nur dann, wenn der Inhalt von einer CD abgespielt wird, nicht über das Netzwerk.

Mit Netzwerkfestplatten und einem guten Medienplayer am Fernseher lässt sich ein wunderbar smartes Wohnzimmerunterhaltungssystem aufbauen. Bis Hersteller wie Samsung oder LG allerdings auch in den etwas gemäßigteren Preisklassen an der Bedienung ihrer gar-nicht-so-smarten Endgeräte arbeiten wird aber wohl noch einige Zeit vergehen. Vielleicht muss ja auch erst Apple mit einem Apple-TV in den Markt einsteigen um ein wenig Panik bei den Herstellern zu erzeugen.

Über Dennis Ziesecke

Dennis Ziesecke ist tätig als freier Autor für GamersGlobal, Webedia (Gamestar Print, Gamestar Online), Computerbase.de und viele andere bekannte Hardware-Magazine. Gründer und Redakteur von VictoryPoint, der etwas anderen Seite des Internet. Vater von einem wundervollen Sohn und einer nicht minder wundervollen Tochter.

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