Donnerstag , 27 Juli 2017
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Die CeBIT und das Heimkino – Messetrends

Die CeBIT und das Heimkino – Messetrends

Nach einer Woche Messetrubel in den sich auch der Autor dieser Zeilen gestürzt hat, endet die CeBIT 2013 am Samstag den 09.03. um 18 Uhr. Die Messeleitung zieht überraschend ein positives Ergebnis aus gesunkenen Aussteller-  und Besucherzahlen, die Besucher selbst waren aber offenbar größtenteils zufrieden. Wie schon in den Vorjahren fehlten aber die großen Produktneuheiten und Innovationen.

So findet die CeBIT zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt im März statt. Im Januar präsentieren alle namhaften Elektronikhersteller ihre Neuheiten auf der CES in Las Vegas. Im Februar hingegen, nur wenige Tage vor der CeBIT, findet in Barcelona der Mobile World Congress statt, auf dem alle relevanten Neuheiten aus dem Tablet- und Smartphonesektor gezeigt werden. Fernseher und andere Unterhaltungselektronik zeigen die Hersteller dann erst wieder zur IFA in Berlin, zum Ende des Jahres und damit pünktlich zur Vorweihnachtszeit. Die CeBIT steht zwischen allen Stühlen – Unterhaltungselektronik zieht „das falsche Publikum“, Familien und Jugendliche, an, trockene Business-IT trägt die Messe aber nicht alleine.

Ungeachtet dessen und der stetig schrumpfenden CeBIT-Ausstellerzahlen sind trotzdem immer wieder wichtige Branchentrends auf der immer noch weltgrößten IT-Messe zu sehen. Und diese gelten nicht nur für dröge Serverumgebungen, Banken-IT oder andere wenig unterhaltende Projekte sondern auch für den Heimkinomarkt.

So waren vor drei Jahren auf der CeBIT mehr und mehr 3D-Monitore und -Fernseher sowie einige Tablets zu sehen – der Markt dafür entwickelte sich tatsächlich sehr gut. Vor zwei Jahren war es zu sehen: 3D an jeder Ecke, Tablets an jedem zweiten Stand. Im vergangenen Jahr waren 3D-Brillen auf der Messe schon wieder out, der Trend hieß autostereoskopisches 3D.

Mit den auf der CES vorgestellten 4K-Fernsehern kann sich die Autostereoskopie durchaus sinnvoll verbreiten. Der Nachteil bislang war die geringe Auflösung, da die zur brillenlosen 3D-Wiedergabe benötigten Zwischenschichten die Auflösung des Fernsehers stark verringern. Aus einem 4K-Fernseher wird dann zwar ein autostereoskopisches Modell mit 1080p-Auflösung, das dürfte aber den meisten Nutzern vollkommen genügen. Dafür lässt sich darauf ohne störende 3D-Brille in guter Qualität in 3D fernsehen und spielen.

Dieses Jahr waren nur noch sehr wenige 3D-Brillen zu sehen, vor allem in Verbindung mit Beamern sah man noch einige Polfilterbrillen herumliegen. Autostereoskopische Displays hingegen waren ganz natürlich an ihre Stelle getreten, ohne Hype und ohne dass es aufgefallen wäre. Auch auf dem Endkundenmarkt wird es diesen Wandel geben, nur eben nicht so schnell wie auf einer Messe für Hightech-Zubehör.

Dieses Jahr war allerdings ein neuer Trend zu erahnen: Immer mehr Stände begnügten sich nicht mehr mit 3D-Displays oder transparenten Bildschirmen (die ansonsten durchaus beeindruckend für Werbung genutzt werden können) sondern zeigten Hologramme.

Holgramm-Projektoren sind mittlerweile relativ klein geworden und bieten eine durchaus überzeugende Bildqualität. Zwar wirkten die Hologramme auf der CeBIT noch etwas durchsichtiger als Prinzessin Leia in Star Wars Episode 4 (oder je nach Alter und Empfinden: „Krieg der Sterne, erster Teil“), dafür war der Bildeindruck aber schon sehr gut und halbwegs plastisch. Eine 3D-Brille benötigt für die Betrachtung eines Hologrammes generell niemand mehr.

Auf der Messe zeigten sich Hologrammprojektoren primär für den Einsatz in der Werbung. So umwaberte ein hübsch anzusehendes Feuer eine Rolex-Armbanduhr und zwei Miniatur-Tänzerinnen bewarben die dahinter ausgestellten Ringe eines Schmuckherstellers. Noch ist die Technik allerdings nicht reif für den Massenmarkt und für das heimische Wohnzimmer. Aber: Was als zaghafter Messetrend beginnt findet sich nicht selten einige Jahre später auch als Komponente im Heimkino wieder. Und seien wir einmal ehrlich: Wer hat nicht schon einmal heimlich von seinem persönlichen Holodeck geträumt?

Da es bis zu den ersten erschwinglichen Hologramm-Fernsehern noch einige Zeit dauern wird, könnte die Zwischenstufe der Videobrillen eine Chance im Wohn- oder Schlafzimmer bekommen. Bei diesen Brillen sind kleine Displays in unmittelbarer Nähe zum Auge verbaut, ein Linsensystem sorgt für einen angenehmen Blick. Kleine Bildschirme, nah am Auge – das sorgt für ein subjektiv sehr großes Bild. So arbeitet Carl Zeiss bei der Cinemizer OLED mit zwei nur 1 Zoll kleinen OLED-Bildschirmen, die in wenigen Zentimetern Abstand vor den Augen platziert sind. Laut Hersteller soll so der Bildeindruck eines 40 Zoll großen Fernsehers aus zwei Metern Entfernung entstehen. So ganz gelingt Zeiss dieses Unterfangen nicht – zu klein sind die Displays, zu schlecht der Betrachtungswinkel. Der Eindruck entspricht eher dem erwähnten 40-Zoll-TV aus einer Entfernung von 7-10 Metern. Während der Betrachter durch eine dunkle Röhre auf den Fernseher schaut. Mäusekino.

Besser soll es die per Kickstarter erfolgreich finanzierte Videobrille Oculus Rift machen. Diese wurde in Hannover zwar leider nicht ausgestellt, soll aber in den kommenden Wochen in den Handel kommen. Die Gerüchteküche spricht von einem Preis, der weniger als 400 Euro betragen soll – die Cinemizer OLED kostet im Vergleich 650 Euro. Bei der Oculus setzen die Hersteller auf ein 7 Zoll großes Display, auf das der Betrachter durch zwei Linsen schaut – und nicht auf zwei kleine Bildschirme. So steigert sich der Betrachtungswinkel und der Mäusekinoeffekt verschwindet. Was bleibt ist der Eindruck, aus 10 Metern Entfernung auf eine Kinoleinwand zu schauen. Durchaus annehmbar, Heimkino für unterwegs also. Oder wenn der Lebenspartner nicht gestört werden will oder soll. Sogar beim Zahnarzt werden Videobrillen bereits eingesetzt um den Patienten ein wenig Ablenkung zu verschaffen.

Videobrillen wie die Oculus Rift können, wenn erst einmal der Preis und die Technik stimmen, eine sehr spannende Ergänzung zum klassischen Heimkino mit großem Fernseher und klangstarken Lautsprechern sein. Vor allem wer in einer eher kleinen Wohnung lebt oder nur am Wochenende in seiner Heimkino-Wohnung übernachten kann, wer beruflich viel auf Reisen ist oder wer einfach keine Lust mehr darauf hat, beim Fernsehen andauernd seine Frau sehen zu müssen – wer sich hier wiederfindet dürfte zur Zielgruppe gehören. Zusätzlich sprechen Videobrillen auch Gamer an, die ihre Konsole oder den PC daran anschließen  und per Headtracker sogar Kopfbewegungen in den virtuellen Räumen umsetzen können. Denkbar ist auch interaktives Bonusmaterial zu Filmen, bei denen sich der Zuschauer per Videobrille und Headtracker auf den Weg durch das Produktionsstudio oder die Sets des Filmes machen kann.

Was denken unsere Leser zu diesem Thema? Hologramm oder Videobrille, Fernseher mit 3D oder ohne? Diskussionen sind erlaubt und erwünscht.

Über Dennis Ziesecke

Dennis Ziesecke ist tätig als freier Autor für GamersGlobal, Webedia (Gamestar Print, Gamestar Online), Computerbase.de und viele andere bekannte Hardware-Magazine. Gründer und Redakteur von VictoryPoint, der etwas anderen Seite des Internet. Vater von einem wundervollen Sohn und einer nicht minder wundervollen Tochter.

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