Donnerstag , 27 Juli 2017
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Watchever: Internet-Videodienst mit Offline-Modus und O-Ton

Watchever: Internet-Videodienst mit Offline-Modus und O-Ton

Lange Zeit haben die Filmschaffenden das Internet als Vertriebsweg ignoriert. Trotz Videothekensterben und florierenden aber nun einmal illegalen Videodiensten wie kino.to dauerte es Jahre, bis die Industrie leicht bedienbare und gut mit Filmen ausgestattete Streamingdienste mit bezahlbaren Gebühren auf die Beine stellte. Nach dem Kopierschutzdebakel der letzten Jahre lernte zuerst die am Boden liegende Musikindustrie dazu, verbannte DRM größtenteils und erlaubte Streaming- und Kaufdienste wie Spotify, iTunes und Amazon Cloud – mit überragendem Erfolg übrigens. Leicht benutzbar, nicht zu teuer und dank mobilem Internet inzwischen auch fast überall einsetzbar, ein Erfolgsgarant. Bei Amazon gibt es mittlerweile sogar digitale Musik beim Kauf eines CD-Albums kostenfrei dazu.

Mit Hulu und Netflix konnte die Filmindustrie zumindest in den USA den neuen Erfolg der Musikbranche kontern. Deutsche Dienste wie Maxdome und Lovefilm florieren ebenfalls – Streaming ist in und erfreut sich gerade durch die Integration entsprechender Apps ins Smart-TV steigender Beliebtheit. Sogar Google erweiterte seinen Play-Store unlängst um einen Filmverleih, sogar in Deutschland. Mit Watchever ist nun vor wenigen Tagen ein Internet-Videodienst gestartet, der Maxdome und Lovefilm Konkurrenz machen will und durchaus das Potential dazu hat. Angeboten wird Watchever von Vivendi, keinem Kleingewicht also – die Vermarktung läuft zudem in Zusammenarbeit mit dem Axel-Springer-Verlag und der Bild-Zeitung.

Fundgrube für O-Ton-Fans und Synchro-Muffel

Watchever konzentriert sich nicht auf Filme oder Serien sondern bietet beides an. Dabei fällt allerdings auf, dass das Angebot nur sehr selten topaktuelle Titel enthält. Vor allem bei TV-Serien endet das Angebot oft bei älteren Staffeln aus den Jahren 2010 oder früher. Breaking Bad ist so nur bis zur Staffel 3 zu sehen, während im deutschen Fernsehen schon die fünfte Staffel ausgestrahlt wird. Auch The Big Bang Theorie pausiert auf dem Stand von vor einigen Jahren. Im Gegenzug gibt es aber zahlreiche ältere Filme und Serien – wie die Nobody-Streifen mit Terrance Hill oder der Serienklassiker „Bezaubernde Jeanny“. Dazu kommt, dass viele Serien und Filme zwar auch in HD angeboten werden, sich das HD-Angebot aber nicht logisch durch das Programm zieht. So gibt es Serienstaffeln, die in SD übertragen werden während andere, frühere und spätere, Staffeln in HD angeboten werden.

Im Selbstversuch: Nicht schlecht aber verbesserungswürdig

Watchever setzt auch auf eine wechselnde Bitrate zur Übertragung, die sich der Internetleitung des Nutzers anpasst – so kommt es oft vor, dass eine HD-Serie plötzlich und ohne Vorwarnung matschig aussieht weil auf SD umgeschaltet wird. Ein Regler zum Forcieren eines Modus ist uns bislang noch nicht begegnet. Mit einer Besonderheit möchte sich Watchever von den Mitbewerbern abheben: Viele Serien und Filme werden nicht nur in deutscher Synchronisation sondern auch im O-Ton angeboten. Ein praktischer Umschalter ist in diesem Falle in der Bedienleiste zu sehen, das Umschalten führt aber zu einer etwa ein bis zwei Sekunden langen Pause in der Wiedergabe – bei DVDs funktioniert der Audioswitch nahtlos und man ist ja auch etwas verwöhnt mittlerweile. Dazu kommt, dass eben nicht das gesamte Programm auch im O-Ton vorliegt. Die Macher von Watchever versprechen aber ein stetig steigendes Angebot an O-Ton-Filmen und -Serien.

Zur Einführung bietet Vivendi den Watchever-Dienst mit einem kostenlosen Freimonat an. Anschließend kostet jeder weitere Monat 8.99 Euro. Erfreulich: Es gibt keine Begrenzung auf eine gewisse Menge Filme oder ein Übertragungsvolumen, in der bezahlten Zeit kann das Sortiment von Watchever durchgehend und ohne Einschränkung betrachtet werden. Und das nicht nur auf dem PC sondern auch auf dem Smartphone und auf Tablets – auf Wunsch auf offline, indem der gewünschte Film zuvor geladen und mit dem Mobilgerät synchronisiert wird. Vor wenigen Tagen startete Watchever auch auf Apple TV durch, Smart-TVs von Samsung sind ebenfalls bereits mit von der Partie. LG und andere TV-Hersteller arbeiten noch an entsprechenden Apps, diese sollen aber in Kürze folgen. Im Browser funktioniert Watchever zudem unter MacOS, nicht aber unter Linux, da hier das benötigte Silverlight-Plugin nicht existiert. Eine Umsetzung für die XBox360 und die Playstation 3 sind ebenfalls in Arbeit und sollen in den nächsten Monaten erscheinen. Eine halbwegs potente und stabile Internetleitung ist allerdings Pflicht. Und LTE-Nutzer sollten mit Blick auf ihr begrenztes Inklusiv-Volumen generell Abstand von Videostreaming nehmen.

Über Dennis Ziesecke

Dennis Ziesecke ist tätig als freier Autor für GamersGlobal, Webedia (Gamestar Print, Gamestar Online), Computerbase.de und viele andere bekannte Hardware-Magazine. Gründer und Redakteur von VictoryPoint, der etwas anderen Seite des Internet. Vater von einem wundervollen Sohn und einer nicht minder wundervollen Tochter.

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