Samstag , 24 Juni 2017
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4K im Heimkino – Es ist kompliziert

4K im Heimkino – Es ist kompliziert

So langsam setzt sich der Trend zu 4K- beziehungsweise UHD im Heimkino durch. Hochauflösende Fernseher sind bereits ab 500 Euro erhältlich, teurere Modelle bieten zudem einen guten Upscaler um auch niedriger auflösendes Material hochzuskalieren. Aus einem 1080p-Bild wird dann ein getrickstes UHD-Bild, das aber im Idealfall trotzdem deutlich besser aussieht als zuvor. Nur: So ein Upscaler ist momentan Pflicht, da es an echtem Content für 4K fehlt. Und als würde das nicht reichen, es mangelt auch an entsprechenden Playern.

Kaum Player für UHD-BD verfügbar

Vor wenigen Tagen war der offizielle Startschuss für die UHD-BD, eine Blu-ray-Disc mit höherer Kapazität für ultrahochauflösendes Filmmaterial. „Endlich Platz für 4K“ ruft die Industrie, der potentielle Käufer hingegen fühlt sich veralbert. Zwar kleben auch vielen Playern 4K-Logos und Werbeaussagen wie „perfektes 4K-Erlebnis!“ oder „4K-Kompatibel!“ deuten hochauflösendes Bildmaterial an. Doch so einfach ist es nicht: Viele dieser Player skalieren nur hoch und kommen mit den neuen UHD-BDs nicht zurecht. Diese Scheiben verfügen drei Datenlagen um so bis zu 100 Gigabyte zu speichern. Ein Player muss diese Discs aber explizit unterstützten, ein Firmwareupdate reicht da nicht. Ebenfalls muss der Videostandard x.265 unterstützt werden, da sich das 4K-Material nur so effizient genug komprimieren lässt.

Zum Europastart der UHD-BD haben gerade einmal zwei Hersteller entsprechende Player im Angebot. Panasonic und Samsung richten sich an betuchte Heimkinofans. So kostet Panasonics DMP-UB900EG aktuell um die 800 Euro, bei eher schlechter Verfügbarkeit. Besser sieht es zwar mit dem primär im Fachhandel verkauften Samsung UBD-K8500 aus, der ab 500 Euro den Besitzer wechselt. Diesem mangelt es aber an einigen gewohnten Ausstattungsmerkmalen wie einem Display. Die schlechte Verfügbarkeit der UHD-Player soll laut Brancheninsidern an fehlenden Chips für die Playerproduktion – eine Besserung ist erst einmal kaum in Sicht. Dazu kommt ein Mangel an dreilagigen Blu-ray-Discs, so dass die Filmfirmen ihre Filme auf 66 statt 100 Gigabyte unterbringen müssen. Für eine voll ausgestattete UHD-BD reicht dieser Speicherplatz aber nicht aus.

Sony ohne UHD BD-Player – Playstation 4K könnte es richten

Bislang ist ausgerechnet der größte UHD-BD-Verfechter auffallend still geblieben. Sony bietet keinen entsprechenden Player zum Start des neuen Formates an, obwohl die Japaner bereits 2013 mit dem FMP-X1 ein erstes 4K-Abspielgerät in Form eines Festplattenplayers mit vorinstallierten Filmen anboten. Als sehr wahrscheinlich gilt daher, dass in den seit einiger Zeit umherstreifenden Gerüchten über eine Playstation 4K oder Playstation 4.5 mehr Wahrheit steckt als ursprünglich gedacht. Schon die Playstation 3 galt als Geburtshelfer der Blu-ray: Als kaum ein Hersteller entsprechende Player im Sortiment hatte (und diese dann auch noch Preise um die 1000 Euro zierten), kam mit Sonys BD-kompatibler Playstation 3 eine rettende Alternative. Der Preis der Konsole lag trotz damaliger Next-Gen-Technik niedriger als der reiner BD-Player, der Funktionsumfang war indes deutlich besser.

Mit der Playstation 4K könnte Sony diesen Coup wiederholen wollen. So soll die Konsole die Playstation 4 nicht ablösen sondern um UHD-BDs, 4K-Ausgabe und zusätzlicher Grafikleistung für den VR-Einsatz mit dem im Oktober erscheinenden Playstation VR erweitert werden. PS4-Spiele laufen dann auf beiden Konsolen. Zwar lässt sich die PS4 bereits über den HDMI 1.3-Port mit 4K-Fernsehern verbinden, die Bildausgabe geschieht dann aber mit maximal 30 Bildern pro Sekunde. Das reicht zwar für die reine Filmausgabe solange keine 60FPS-Titel gefragt sind. Spiele jedoch fordern mehr – und UHD-BD bietet zudem noch einen erhöhten Farbraum und einige andere Spezialitäten, die mit dem alten HDMI-Port nicht realisierbar sind. Eine neue Revision der PS4 mit HDMI 2.0 steht also auf jeden Fall aus und Sony wäre dumm, dort keinen UHD-Player für die neuen dreilagigen Blu-ray-Discs einzubauen. Selbst wenn kein Decoderchip für h.265 integriert sein sollte, könnte Sony das Bildmaterial einfach per „Brute Force“, mittels reiner Rechenpower des Prozessors also, berechnen lassen. Das kostet zwar Strom, der Energiebedarf hat BD-Fans aber schon nicht von der Nutzung der PS3 abhalten können. Die Lüfterlautstärke der Konsole könnte sich mit einer neuen Revision des Prozessors und der integrierten Grafikeinheit stark sinken.

Fazit – UHD tut sich schwer

Es wirkt, als wäre die Zeit der optischen Datenträger vorbei. Ein echtes Nachfolgeformat für die Blu-ray-Disc ist nicht in Sicht, für die 4K-Wiedergabe wird das alte Format nur mit zusätzlichen Layern fit gemacht. Das senkt die Zuverlässigkeit (Fingerabdrücke und kleine Kratzer wirken sich ungleich stärker aus) und die Verfügbarkeit, steigert aber die Kosten. Indes bereiten sich Streaminganbieter wie Netflix auf das 4K-Geschäft vor. Schneller auf den Markt reagieren können sie jetzt schon, da sie nicht erst teure Hardware entwickeln müssen. Ob das gewohnte und oft schon fast meditative Durchsuchen der BD- oder DVD-Sammlung sowie das Einlegen der Disc in den Player damit in Zukunft entfällt? Die wichtigere Frage ist doch: Mag man sich als Heimkinofan tatsächlich umstellen auf neue Technologien wie Streaming?

Über Dennis Ziesecke

Dennis Ziesecke ist tätig als freier Autor für GamersGlobal, Webedia (Gamestar Print, Gamestar Online), Computerbase.de und viele andere bekannte Hardware-Magazine. Gründer und Redakteur von VictoryPoint, der etwas anderen Seite des Internet. Vater von einem wundervollen Sohn und einer nicht minder wundervollen Tochter.

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